Montag 18. Dezember 2017

NEU! Orthodoxe Kirchenzeitung

für Österreich im neuen Layout

Die aktuelle Ausgabe Herbst-Winter/2015

 

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NEU! "Orthodoxe Religionspädagogik"

an der Universität Wien

 

 

Der Gottesdienst in der Orthodoxen Kirche

 

Der Gottesdienst ist eine Ansammlung von sakralen Handlungen und Ritualen, durch die auf äußerliche Weise die inneren religiösen Gefühle ausgedrückt werden. In ihm offenbaren und erfüllen sich die Beziehungen zwischen Gott und dem Menschen, und dem Menschen und Gott. In Wirklichkeit ist der christliche Gottesdienst die Ansammlung von sakralen Handlungen und Ritualen, in denen der ganze Inhalt der christlichen Religion manifestiert und offensichtlich präsentiert wird.  Das Wesen der christlichen Religion ist die Aussöhnung des Menschen, der in die Sünde gefallen ist, mit Gott und die Errichtung jener reinen, unmittelbaren Beziehungen, die zwischen dem Menschen und Gott vor dem Sündenfall im Paradies geherrscht haben.

 

Diese Aussöhnung oder Reinigung von der Sünde des Menschen, seine Befreiung von der Verdammnis und dem Tod, wurde durch das Golgatha Opfer vollzogen, das für die ganze Menschheit der menschgewordene Sohn Gottes erbracht hat. Der Tod des Gottessohnes hat die Erlösung der Menschen gebracht, er hat Gott den Menschen als gereinigt und geheiligt dargestellt. Den Akt der Versöhnung hat Gott dem Menschen durch Sein Wort und die Geheimnisse offenbart, es ist nun die Pflicht des Menschen, durch die Annahme der gnadenbringenden Gaben der Versöhnung, sich Gott im Glauben an Jesus Christus hinzugeben.

 

Die Orthodoxe Kirche kennt zwei Arten von Gottesdiensten: die allgemeinen bzw. gemeinschaftlichen und die speziellen bzw. privaten. Die allgemeinen Gottesdienste werden hauptsächlich in der Kirche zelebriert, ihr Beginn verkünden die Kirchenglocken und an ihnen nehmen alle Mitglieder der Kirche teil. Solche Gottesdienste sind: Vesper (Abendgottesdienst), Frühgottesdienst und Hl. Liturgie. Die speziellen Gottesdienste werden ebenfalls in der Kirche zelebriert, können aber auch anderen dafür geeigneten Orten stattfinden, wie z. B. in den Häusern der Gläubigen.

 

Diese speziellen Zeremonien sind: Taufe, Eheschließung, Aussegnung, Totengedächtnisgottesdienst, Wasserweihe, Segnung der Hauspatronfestes usw. Diese Gottesdienste finden nicht jeden Tag statt, sondern je nach Bedarf der Kirche, Einzelner oder einer Gruppe von Gläubigen. 

Das Ziel beider Arten von Gottesdiensten ist zuallererst die Verherrlichung Gottes, die Danksagung für die Gaben Gottes und die Zuwendung zu Gott im Gebet.

 

Im orthodoxen Gottesdienst gibt es nichts Überflüssiges und Zufälliges. Jedes Wort, jede Handlung oder Gegenstand haben ihren historischen, religiösen und übertragenen Sinn. Allgemein gesprochen beinhaltet der Gottesdienst die Geschichte der Schöpfung, die Vorsehung Gottes für die Welt, das Erwarten des Erlösers, Sein Kommen auf die Erde, die Predigt, das Leiden und die Verherrlichung Christi, die Errichtung der Kirche und ihr Leben. All jene die regelmäßig zum Gottesdienst kommen, haben die Möglichkeit mit der Kirche die Geschichte der Rettung des Menschen zu durchleben. 

 

Der Gottesdienst als menschliche Aktivität hat seine Begründung sowohl in seiner eigenen menschlichen Natur wie auch in seiner letztendlichen Bestimmung. Der Mensch ist geschaffen, um Gott zu preisen, Gott zu dienen, was bedeutet, dass der Mensch durch den Gottesdienst den Sinn seiner Existenz erfüllt. Demnach gibt es drei Hauptziele des orthodoxen Gottesdienstes: 1) Das Ausdrücken der religiösen Gefühle durch den Gottesdienst. 2) Die Lehre und Festigung des Glaubens und der Güte durch den Gottesdienst. 3) Die Erlangung der für unsere Rettung notwendigen Gnade Gottes durch den Gottesdienst.

 

1) Der Mensch ist ein geistiges und materielles Wesen, und sein Leben findet in der Harmonie und den gegenseitigen Beziehungen seiner geistigen und körperlichen Funktionen statt. Was der Mensch in seiner Seele spürt, muss er auf äußerliche und sichtbare Weise zeigen, denn er kann seine Gefühle in sich nicht verbergen. Wenn er gut gelaunt ist – so zeigt sich das in seinem Gesichtsausdruck, wenn er traurig und bekümmert ist – so weint er, wenn er Angst hat – so zittert er, wenn er wütend ist – so wird er rot im Gesicht usw.

 

Der Glaube und die Frömmigkeit sind sehr starke innerliche Emotionen. So wie wir unsere Gefühle wie Freude, Trauer, Liebe, Hass, Respekt und andere nicht verbergen können, so müssen wir auch unsere religiösen Gefühle, unsere Frömmigkeit, auch auf äußerliche Weise zeigen. Dies tun wir durch den Gottesdienst. Die Menschen haben seit Anbeginn der Welt Gott Opfer dargebracht, als äußerliches Zeichen ihrer Dankbarkeit, Anhängigkeit und Ehrerbietung. In den prähistorischen paganischen Ansiedlungen hat man Ruinen der Tempel und Altäre gefunden, die beweisen, dass überall dort wo es religiöses Leben gibt, auch Gottesdienste und gottesdienstliche Rituale geben muss.

 

Daher trägt auch der christliche Gottesdienst, der mit seinen wunderbaren Riten, Gebeten und Gesängen unseren Glauben ausdrückt, den Stempel der allgemein menschheitsgeschichtlichen Bedürfnisse nach Beziehung zu Gott. Im heiligen Gotteshaus versammeln sich alle, um gemeinsam ihre Ehrerbietung gegenüber Gott und ihre anderen religiösen Gefühle zum Ausdruck zu bringen.

 

2) Das zweite Ziel des Gottesdienstes in der Orthodoxen Kirche sind Erhalt, Weiterentwicklung und Verbreitung des christlich-orthodoxen Glaubens und Lebens. Die wunderschönen Gebete und Kirchenlieder, das Lesen des Wortes Gottes, die Priesterpredigt und andere wesentliche Teile des Gottesdienstes – all das lehrt den Christen im Glauben und veredelt seine Seele. Die christliche Kirche, in der der Gottesdienst zelebriert wird, ist die Schule für jeden Christen, die ihn im Guten bestärkt und vom Bösen abbringt. Und der Mensch verlässt die Kirche neugeboren, denn er hat sich mit göttlicher Nahrung – dem Wort Gottes – erfüllt.

Im Gottesdienst wird vor allem unsere Liebe zu einander gestärkt, denn im Gotteshaus sind wir alle vor Gott gleich, ob reich oder arm, gebildet oder ungebildet, alt oder jung – alle beten miteinander und füreinander vor Gott.

 

3) Das dritte Ziel des Gottesdienstes der Orthodoxen Kirche ist die Erfüllung der von Jesus Christus uns gebrachten Versöhnung und seiner Gnadenfrüchte, der Heiligung des Menschen und seine Vereinigung mit Gott. Die wichtigste Voraussetzung für die Aussöhnung und die Früchte dieser Versöhnung ist die Einheit mit Jesus Christus.

 

 

Der Christ kann nicht ohne die Hilfe Gottes sein und ohne Gott gibt es keine Erlösung. Daher hilft Gott dem Menschen besonders im Gotteshaus, denn hier betet der Mensch demütig, genauso wie es uns Jesus Christus selbst vorgegeben hat. Im Gottesdienst betet jeder Christ für sich und der Priester bittet Gott für uns alle um Hilfe und Gnade. Und die Hilfe Gottes erlangt insbesondere jener Christ, der regelmäßig den Gottesdienst besucht und die Heiligen Sakramente empfängt. Die Hl. Kommunion ist hierbei das entscheidende Sakrament, da wir durch sie in die vollkommene Gemeinschaft mit Jesus Christus treten. Ohne dieses gnadengebende Element wäre der Gottesdienst seiner geheimnisvollen Heiligung, der höchsten Kraft und seiner Charakteristik beraubt, so dass er nicht christlich wäre.

 

In der Erfüllung der Erlösung liegt das wichtigste und kulminierende Ziel des Gottesdienstes in der Orthodoxen Kirche, der Gottesdienst ist das Mittel zur Vereinigung des Menschen mit Gott.

 

M.K.

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