Sonntag 25. Juni 2017

NEU! Orthodoxe Kirchenzeitung

für Österreich im neuen Layout

Die aktuelle Ausgabe Herbst-Winter/2015

 

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NEU! "Orthodoxe Religionspädagogik"

an der Universität Wien

 

 

Warum werden in der Kirche Kerzen angezündet?

 

Bevor wir über den Gebrauch der Kerzen in der Kirche sprechen, sollte man zuerst erwähnen, dass die Opferdarbringung in verschiedenen Formen im Tempel des Herrn noch aus der Alttestamentlichen Kirche stammt. Kerzen werden poetisch-sakramental an vielen Stellen des Alten Testaments erwähnt, von denen wir besonders das Buch der Chronik, das Buch Hiob, die Propheten Jesaja, Jeremia, Sacharja (1) hervorheben, und wir wissen, dass diese schon damals in den gottesdienstlichen Gebrauch im Tempel des Herrn gelangen. Im Gebet für die Weihe der Kerzen gedenkt die Kirche des Moments als Gott sich Moses zuwendet und ihm sagt, er solle einen Tisch aufstellen und Brote auf diesen legen, sowie dass er den Kerzenleuchter hereinbringt, auf dem er die Kerzen stellen soll (2).

 

In der Neutestamentlichen Kirche wurde diese sakramentale Erfahrung nie abgebrochen, besonders bei den Judenchristen, die seit jeher es gewohnt waren Opfer im Tempel des Herrn darzubringen. Im ersten Jahrhundert des Christentums erfahren wir, dass auf Grundlage des apostolischen Amtes, was im Brief an die Korinther (3) bezeugt wird, die Gläubigen verschiedene Speisen und Getränke dargebracht haben. Diese gesammelte Nahrung wurde größtenteils auf die Seite gebracht und später wurde sie zum Unterhalt an die Priester verteilt, aber es wurde auch weiterhin als Opfer für Gott angesehen (4).

 

Diese Spenden an den Tempel waren freiwillig, aber gleichzeitig auch Zeichen für Tugend und Barmherzigkeit gegenüber dem Klerus, der ausschließlich davon lebte, was von Eusebius und Tertullian bezeugt wird. Später begann das Volk, getragen vom schönen Eindruck der Alttestamentlichen Kirche, im Tempel irdische Früchte und „Werke der eigenen Hände“ darzubringen, was zum Abweichen von einer bestimmten Opferordnung geführt hat, so dass diese Frage in den apostolischen Regeln behandelt wurde. Daher sprechen die 3. und 4. Apostolische Regel streng darüber, was auf dem Opfertisch dargebracht werden darf, und das: Weizen (Brot), Wein, Öl für die Hängelampen und Weihrauch – alles was einen sakramentalen gottesdienstlichen Zweck hat, in der Liturgie – Danksagung, oder bei Opferdarbringung (blutlosen). Und hier trennen sich historisch die Opfer zum Tempel und die „Epitrachelion Opfer“ (besser bekannt als „kirchliche Rituale“), wo im 4. Jahrhundert die Kirche, gemeinsam mit dem Staat, das letztere als verpflichtende Einnahmen für die Priester festlegte. Der Verstoß gegen das o. g. Gebot zog auch entsprechende Strafen nach sich, was die Regel selbst bezeugt, die uneingeschränkt den Ausschluss vom Ritual fordert (Exkommunikation).

 

Über den Gebrauch von Wachs und Öl im Gottesdienst bezeugen uns die Apostel selbst, als sie in ihrem Beisammensein bis tief in die Nacht blieben (5), dies bezeugen auch die apostolischen Ämter, die auch Tertullian erwähnt. In der Athener Syntagma erklärt Zonaras, dass die Gläubigen von Herzen Wachs und Öl als Kirchengabe dargebracht haben, die bereits als Kirchengegenstände galten, da sie schon lange im Kirchengebrauch waren (6). Das Anzünden von Kerzen ist die Gabe an Gott, und diese Substanz, die brennt, sollte das Beste sein, da der Herr verlangte, dass Ihm Opfer vom Besten dargebracht werden sollen (7). In Anlehnung an Erzbischof Benjamin und seine „Novuju Skrizalj“, erklärt Nikoljski, dass „das Wachs, das von duftenden Blumen gesammelt wird, den geistigen Duft der Darbringung bedeutet, d. h. es zeigt den Glauben und die Liebe jener, die es darbringen. Und wenn es von vielen Blumen gesammelt wird und duftet, so kennzeichnet das die Darbringung als wohltuend für alle Christen.“ (8) Doch am schönsten hat uns die Bedeutung des Gebrauchs der Kerzen in der Kirche Simeon von Thessaloniki übertragen, der inspirierend den Sinn der Wachsdarbringung im Tempel des Herrn beschrieben hat. In seiner Schrift „Über den Tempel“ erklärt uns Erzbischof von Thessaloniki die sakramentale Bedeutung der Darbringung von Wachs: „Die Darbringung und das Entzünden des Wachses als allerreinste Substanz stellt unsere Reinheit und Ehrlichkeit der Gabe dar; Wachs als Materie, auf der man Stempel eindrücken kann, bedeutet den Stempel oder Zeichen des Kreuzes, das auf uns kommt bei der Taufe und Myronsalbung; Wachs als edle und weiche Substanz, bedeutet unseren Gehorsam und unsere Bereitschaft zur Reue wegen unseres sündigen Lebens…; Wachs als Substanz, die brennt, bedeutet unsere Vergöttlichung (d. h. unsere Natur die durch das göttliche Feuer gereinigt wird), und schließlich, Wachs, auf dem die Flamme brennt, oder das Licht, bedeutet die Vereinigung und die Stärke unserer Liebe und des Friedens.“ (9) Der gleiche Autor sagt an anderer Stelle, dass wir im Tempel „das Wachs, das von vielen Blumen gesammelt wurde,“ darbringen, „was die vollkommene Darbringung unseres allgemeinen Opfers bedeutet.“ (10)

 

Aus dem erwähnten können wir klar erkennen, dass von uns Gott dargebracht wird, was am besten, am feinsten und am edelsten ist. Das Opfer für den Herrn kann nur das Opfer sein, d. h. unser Geben von etwas, was schwer zu erlangen ist, und den Hl. Vätern nach, von dem, was unserem Herzen am nächsten ist. Sie sagen: „Wenn du die Hand ausstreckst und das Herz hüpft“ und es so beginnt zu lamentieren – das ist die wahre Gabe, denn sie wird vom wahren Besitzer genommen – unserem Herzen. Sicherlich ist heute der Kauf einer Kerze in der Kirche keine besondere Askese, insbesondere nicht einer Paraffin-Kerze, aber wie wir gesehen haben, hat der Kauf einer oder mehrerer Kerzen seine tiefe liturgische Bedeutung. Daher ist es unverständlich, dass die Kirchenverantwortlichen es zugelassen haben, dass Paraffin-Kerzen benützt werden können, insbesondere wegen der klaren Worte des Propheten Maleachi, der uns prophetisch den Willen Gottes mit den Bibelworten vermittelt: „Wenn ihr ein blindes Tier als Schlachtopfer darbringt, ist das nicht schlecht? Und wenn ihr ein lahmes und krankes Tier darbringt, ist das nicht schlecht? Biete das einmal deinem Statthalter an! Ob er wohl Gefallen an dir hat und dich freundlich ansieht? spricht der Herr der Heere.“ (11) Die heutige Nutzung der Kerzen in der Kirche hat größtenteils nur die äußere Form der Darbringung beibehalten, d. h. den „Austausch der Werte“, die geopfert werden, und mit dem Kauf der Paraffin-Kerzen verliert sich jeder liturgische Sinn ihrer Nutzung, und es bleibt nur der äußere Grund, bei dem der Verkauf der Kerzen finanziell die Kirche unterstützt (obwohl der ursprüngliche Sinn des Kerzenverkaufs das Ziel hatte nur den Klerus zu unterstützen). Aus diesem sehen wir, dass das Opfer nicht die Kerze (Form, Aussehen) ist, sondern das Material, als „etwas besonders Ausgewähltes“ von der edlen Substanz, die für die Opferdarbringung an Gott genutzt wird.

 

Warum ist das Wachs ein edles und allerreinstes Material?

 

Bis zum Erscheinen der pharmazeutischen Produkte und der organisierten wissenschaftlichen Medizin, waren der Honig, und die Produkte aus ihm, jahrhundertelang die zugänglichsten und wirksamsten Arzneimittel (Propolis, Wachs, Honigmilch, Larven, Honigwein). Die Gesundheit der Menschen hing sehr stark von ihnen ab. Im Wachs sind der edle Staub der wertvollsten Gräser und Blumen, sogar heute werden aus diesen Pflanzen die kostbarsten Substanzen hergestellt: Medikamente, edle Düfte, und für das zarte Geschlecht verschiedene Schönheitscremen. Noch mehr als das erwähnte besitzen die Bienenprodukte eine gewisse Exquisite, da sie sehr eng mit wichtigen biblischen Ereignissen verbunden sind. In der Prophezeiung des Jesaja über Emanuil: „Seht, die Jungfrau wird ein Kind empfangen, sie wird einen Sohn gebären und sie wird ihm den Namen Immanuel (Gott mit uns) geben. Er wird Butter und Honig essen…“ (12) Und die offensichtliche Erfüllung dieser Prophezeiung, sowie die Bestätigung der Gottgefälligkeit eines solchen Opfers zum Herrn, finden wir bei Lukas, wo die Jünger dem auferstandenen Christus „Sie gaben ihm ein Stück gebratenen Fisch und Honigseim.“ (13) So dient uns der Honig als Schlüssel dafür, um die ganze Prophezeiung des Jesaja zu verstehen! – was für ein „gutes oder böses“ Kind wird erwählt und verstanden werden, welches „Land“ wird zurückgelassen, welches und wessen „Kind“ ist das, welcher Ertrag ist Ihm angenehm!

 

Ohne Zweifel und Bedenken sollte der Gebrauch von Kerzen in der Kirche verboten werden, die aus giftigen chemischen Substanzen (Erdölerzeugnissen) hergestellt werden, oder die auf chemische Weiße produziert wurden, selbst jene die gemischt werden und so die Menschen täuschen, als wären sie aus echten Bienenwachs. Die kirchliche Überlieferung sagt uns, dass eine solche Praxis in der Kirche unzulässig ist, und wir können ruhig sagen, dass dies auch keine Praxis ist, sondern ausschließlich Nachlässigkeit und Händlertum.

 

In der Alttestamentlichen Kirche wurden bei der Opferdarbringung gewisse Gebete gesprochen, und uns ist bekannt, dass es verschiedene Opfer für verschiedene Anlässe gab. In der Neutestamentlichen Kirche ist alles blutlos, da das „allerreinste Blut“ ein für alle Mal vergossen worden ist. Und die heiligen Menschen Gottes sind die Lichter, die „auf dem Berg“ leuchten und nicht versteckt werden können, sowie es der Herr selbst über den Täufer gesagt hat: „Jener war die Lampe, die brennt und leuchtet…“ (14) Wir bringen Kerzen dar im Namen der Herrlichkeit des Herrn, fest wissend, dass „das Licht Christi alle und alles erleuchtet“ (15), und dass dieses Licht „vor den Menschen leuchtet“ (16), und einige von ihnen zu „Leuchten der Wahrheit des Evangeliums“ (17), in dessen Vergöttlichung wir unsere Nähe zu Gott suchen, und für ihre Gebet vor dem Altar des Herr der Herrlichkeit beten.

 

Der Gottmensch ist das Licht, dass „alle erleuchtet“ und indem wir diese kosmische Wahrheit in „unseren Herzen“ (18) fühlen, bringen wir ebenfalls mit Gebeten unser Opfer dar – die Kerze, für unsere verstorbenen Brüder und Schwestern, und so bitten wir den Herrn, dass sie „nicht in der Finsternis umhergehen“ (19) und um „Anteil zu haben am Los der Heiligen, die im Licht sind.“ (20), denn wir sind „alle (…) Söhne des Lichts und Söhne des Tages“ und „wir gehören nicht der Nacht und nicht der Finsternis“ (21). Nicht weniger bringen wir die Kerzen für uns Lebende dar, damit „er ist in unseren Herzen aufgeleuchtet, damit wir erleuchtet werden zur Erkenntnis des göttlichen Glanzes auf dem Antlitz Christi.“ (22) Jede dargebrachte Kerze ist der Einsatz unseres Glaubens, der, wie wir gesehen haben, in „unseren Herzen“ brennen soll, für unsere Erlösung, die Erlösung unserer Nächsten, und allgemein für die Erlösung uns aller. So wie unsere Kerze, die gleichzeitig aus Liebe unser Opfer für den Herrn ist, soll auch unser Glaube brennen, mit der Hoffnung, dass auch wir eines Tages im „unzugänglichem Licht“ wohnen werden, in Ihm der „alleine die Unsterblichkeit hat“. (23)

 

Nicht alle Kerzen haben an jedem Ort die gleiche Bedeutung. Erzbischof Benjamin erklärt durch den Hl. Simeon von Thessaloniki die mystische Bedeutung des Gebrauchs der Kerzen. Er sagt, dass der „kirchliche Kerzenleuchter“, der eigentlich das „Pankandilo“ (24) ist, und die auf ihm angezündeten Kerzen in der Kuppel der Kirche die Sterne darstellen, die am „klaren Himmel“ (25) stehen. „Und die Kerzen, die aufrecht gestellt werden, stellen die Feuersäule dar, die in der Nacht das Volk Israel geleitet hat; die Kerzen am „siebenarmigen Leuchter“ (26) stellen die Zahl der Gaben des Heiligen Geistes dar…; das Trikirion (drei Kerzen) verwendet man im Namen der Hl. Dreiheit, und das Dikirion (zwei Kerzen) stellen die zwei Naturen Christi dar (diese verwenden nur die Bischöfe). (27)

 

Wir können durchaus resümieren, dass mit dem Kauf der Kerzen das Volk auch weiterhin durch die Liturgie das Opfer im Tempel des Herrn darbringt, wo es finanziell jene unterstützt, die dem Altar dienen und „vom Altar auch leben“. (28) Daneben hat die Kerze auch einen starken mystischen Charakter, denn sie bildet liturgisch das Göttliche Licht, das in der Mitte unserer Persönlichkeit leuchten soll – in „unseren Herzen“, in unserem Glauben an das ewige Leben in unserem Herrn Jesus Christus. Wenn wir die brennenden Kerzen darbringen sollten wir sofort an unseren Glauben denken, d. h. ihren Wert prüfen, und im Wissen über unsere Nichtigkeit den Herrn bitten, dass Er uns erleuchte mit dem „Licht der Erkenntnis“, so wie der Priester bei der Liturgie betet: „Lass leuchten in unseren Herzen, menschenliebender Gebieter, das unvergängliche Licht deiner Gotteserkenntnis und öffne die Augen unseres Verstandes zum Verständnis der Botschaft deines Evangeliums.“ (29) Wie oft hier nur „in unseren Herzen“ erwähnt wird?! Wenn wir etwas näher die liturgischen Gebete betrachten, so werden wir sie sofort mit der klarsten Eigenschaft (Identität) der Orthodoxie verbinden – dem Isihasmus, mit dem Kern unseres Glaubens, die sich durch die Jahrhunderte schließlich beim Hl. Grigorius Palamas herauskristallisiert hat, der die ganze asketische Erfahrung der Kirche rekapituliert hat und uns eine große Wahrheit überliefert hat, wonach das Licht vom Tabor sich sehr wohl in unseren Herzen zeigen kann, und dass es zum Christusträger und „Tempel des Heiligen Geistes“ werden kann.

 

Unsere dargebrachte Kerze ist der Ausdruck der Liebe und des Glaubens, der ähnlich ihrer ruhigen und flackernden Flamme in unseren Herzen brennen soll, aber auch unsere gemeinsame Teilnahme im Ausdruck der großen christlichen edlen Gabe, der barmherzigen Gabe an jene, die in der Kirche Christi brauchen.

 

Erzpriester Ljubo Milosevic

 

Anmerkungen:

  1. 2. Buch d. Chronik 13, 11; Ijob 29, 3; Jesaja 62, 1; Ezechiel 1, 13; Sacharja 1, 2.
  2. Euchologion, Gebet für die Segnung der Kerzen.
  3. Kor 16, 2
  4. Nikodim Milas, Kanones der Orthodoxen Kirche, IV Kanon; siehe auch Kommentar des III Kanon, Band 1, St. Petersburg, 1911.
  5. Apg 29, 7-8.
  6. Athener Syntagma II, 143
  7. Vgl. Lev 1, 3.10; Maleachi 1, 4.8.
  8. Posobie, S. 44-45; St. Petersburg, 1900.
  9. Über den Tempel, Kap. 134
  10. Über den Tempel, kap. 25.
  11. Mal 1, 8.
  12. Jes 7: 14 – 15
  13. Lk 24: 42
  14. Joh 5, 35.
  15. Liturgie der vorgeweihten Gaben.
  16. Bischöflicher Ritus und Mt 5, 16.
  17. Vhl. 1.Thess. 5, 19; Jes 60, 1.
  18. Liturgikon für Frühgottesdienst, 9. Gebet und 12. Gebet
  19. Joh 8, 12.
  20. Kol 1, 12.
  21. 1Thess 5, 5.
  22. 2Kor 4, 6.
  23. 1Tim 6, 16.
  24. Kirchenslawisch „polijelej“, vom Griechischen „pas“ = ganz, und „kandila“ = kandilo; wird auch „horos“ genannt.
  25. Kirchenslawisch „твердъ“, griechisch „stereoma“.
  26. Siebenarmiger Leuchter, steht auf dem Altartisch, erwähnt im Buch des Propheten Sacharja 4, 2.
  27. Srizalj I, 41 – 42, St. Petersburg, 1908.
  28. 1Kor 9, 13.
  29. Gebet während der Liturgie, vor der Lesung des Evangeliums.

    (Quelle: www.svetosavlje.org)

 

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