Samstag 22. September 2018

NEU! Orthodoxe Kirchenzeitung

für Österreich im neuen Layout

Die aktuelle Ausgabe Frühjahr-Sommer/2018

 

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NEU! "Orthodoxe Religionspädagogik"

an der Universität Wien

 

 

Der Sinn der Großen Fastenzeit (5. Teil)

Wohltätigkeit und wohltätige Taten

Reinigen wir uns mit Wohltätigkeit und wohltätigen Taten gegenüber den Armen. Wir sollen es nicht herausposaunen und unsere Mildtätigkeit herzeigen. Unsere Linke soll nicht wissen was unsere Rechte macht, damit die Selbsterhöhung die Früchte unserer Milde nicht verweht, sondern rufen wir im geheimen Jenen an, der alles Geheime kennt: „Herr, vergib uns all unsere Verwerfungen, denn Du bist der Menschenliebende“. (16)

 

Wenn wir den Text des Triod richtig verstehen wollen und die Geistlichkeit, die seine Basis darstellt, so müssen wir erwähnen, dass es fünf falsche Meinungen bezüglich der Großen Fastenzeit gibt, vor denen wir uns hüten sollten.

 

Als erstes, die Große Fastenzeit ist nicht nur für Mönche und Nonnen gedacht, sondern ist allen Christen vorgeschrieben. An keiner Stelle der Kanones der Ökumenischen und Ortskonzile wird erwähnt, dass das Fasten nur für die Mönche ist, und nicht für die Laien. Dank ihrer Taufe, werden alle Christen, ob sie im Ehestand sind oder das Mönchsgelübde abgegeben haben, zu Kreuzträgern und gehen den gleichen geistlichen Weg. Die äußeren Umstände, in denen sie ihr Christentum leben, zeigen große Unterschiede, aber in ihrer inneren Beschaffenheit ist die Art zu Leben nur eine. So wie der Mönch mit seiner selbstgewählten Selbstverleugnung versucht die innere Güte und Schönheit der Schöpfung Gottes zu bestätigen, so wird auch von jedem Christen, der im Ehestand ist, erwartet, dass er in gewisser Weise ein Asket ist. Der Weg der Verneinung und Affirmation sind gegenseitig abhängig und jeder Christ ist aufgerufen gleichzeitig den einen und den anderen zu folgen.

 

Als zweites, darf der Triod nicht falsch, auf pelagianische Art, gedeutet werden. Wenn uns die Texte im Zusammenhang mit der Großen Fastenzeit zu mehr persönlicher Anstrengung auffordern, so dürfen wir nicht glauben, dass unser Fortschritt alleine von unserem persönlichen Willen abhängt. Im Gegenteil, alles was wir während der Großen Fastenzeit erreichen, müssen wir als unverdiente Gabe der Göttlichen Gnade verstehen. Der große Kanon des Hl. Andreas von Kreta lässt hierbei keinen Zweifel darüber aufkommen.

 

„Ich habe weder Tränen, noch Reue, noch Zerknirschtheit, wenn Du sie mir nicht Selbst, Gott Erlöser, gibst“. (17)

 

Als drittes dürfen wir unser Fasten nicht im Selbstwillen, sondern in Gehorsam vollbringen. Wenn wir fasten, so sollten wir nicht versuchen, für uns selbst besondere Regeln uns auszudenken, sondern, je nach Möglichkeit, dem Rahmen getreu nach der Hl. Überlieferung zu folgen. Dieser angenommene Rahmen drückt das kollektive Bewusstsein des Volkes Gottes aus, besitzt die versteckte Weisheit und Balance, und diese können nicht in gewisser Strenge gefunden werden, die unsere Phantasie erfinden könnte.

Dort wo es uns erscheint, dass die festgelegten Regeln, sich nicht auf unsere persönliche Situation anwenden lassen, dort sollten wir Rat von unserem geistlichen Vater suchen – nicht um von ihm seine „Erlaubnis“ zu bekommen, sondern in Ruhe und mit seiner Hilfe zu ergründen, wie der Wille Gottes in Bezug auf uns ist. Darüber hinaus, wenn wir für uns nicht eine Linderung, sondern eine zusätzliche Strenge wünschen, so sollten wir das nicht annehmen, bevor nicht vorher den Segen unseres geistlichen Vaters erhalten haben. Dies ist die Praxis seit den frühen Jahrhunderten des Kirchenlebens.

 

Vater Antonius sagt: „Ich kenne Mönche, die nach großen Anstrengungen gefallen sind und den Verstand verloren haben, denn sie hatten Vertrauen in den eigenen Eifer, dabei vergessend wie das hierbei Gebot lautet: Frag deinen Vater, und er wird es dir erzählen (Dtn 32, 7)“. An anderer Stelle sagt er: „So viel dies möglich ist, sollte ein Mönch, für jeden seiner Schritte, für jeden Tropfen Wasser, den er in seiner Zelle trinkt, sich mit dem Gerond (Starzen, geistlichen Vater) beraten, für den Fall, dass er darin einen Fehler macht“. (18)

 

Diese Worte beziehen sich nicht nur auf Mönche, sondern auch auf Laien, die in der „Welt“ leben, obwohl die Laien nicht unbedingt so streng gehorsam gegenüber ihrem geistlichen Vater sein müssen.

 

Wenn unser Fasten von Hochmut und Selbstwillen gezeichnet ist, dann wird das Fasten einen dämonischen Charakter erhalten und es wird uns nicht Gott näherbringen, sondern Satan. Da uns das Fasten sensibler für die Realität der geistlichen Welt macht, so kann das in vielerlei Hinsicht gefährlich sein, denn die bösen Geister bestehen genauso wie jene guten.

 

16.    Frühgottesdienst am Sonntag des Jüngsten Gerichts.
17.    Zweites Lied, Troparion 25″.
18.    Apophtheomata Patrum,  alphabetische Kollektion (P. G. lxv), Antonius 37 u. 38. Griechisches Wort „geron“ („Alter Mann)“ in orthodoxer Bedeutung muss nicht zwangsläufig einen Mann im hohen Alter meinen, sondern jemanden, der geistliche Erfahrung und Weisheit besitzt. Der Begriff „Starez“ beschreibt eine Person, die vom Heiligen Geist die Gabe erhalten hat, in die Herzen anderer Menschen hineinzuschauen und sie geistlich zu führen.

 

Bischof Kallistos Ware, Metropolit von Diokleia und Professor für orthodoxe Studien an der Oxford University, sowie Autor zahlreicher Bücher über die orthodoxe Kirche.

 

Fortsetzung folgt…

 

(Quelle: www.svetosavlje.org – Übersetzung Mag. Mirko Kolundzic)

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