Dienstag 20. November 2018

NEU! Orthodoxe Kirchenzeitung

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Die aktuelle Ausgabe Frühjahr-Sommer/2018

 

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NEU! "Orthodoxe Religionspädagogik"

an der Universität Wien

 

 

Der Sinn der Großen Fastenzeit (2. Teil)

Der innere Sinn der Fastenzeit

 

Was werden wir in diesem Buch finden, das wir als Fastentriod bezeichnen? Sie kann zusammengefasst als Buch des Fastens beschrieben werden. So wie die Kinder Israels das „Brot der Bedrängnis“ aßen in Vorbereitung auf das Passah (Übergang), so bereiten sich die Christen durch das Fasten auf das Fest des Neuen Passah vor.

 

Was aber bedeutet das Wort „Fasten“ oder auf Griechisch „nisteia“? Hier ist es notwendig äußerst vorsichtig zu sein, um das entsprechende Gleichgewicht zwischen dem äußeren und inneren zu bewahren.      

Auf dem äußeren Niveau schließt das Fasten die physische Enthaltsamkeit von Essen und Trinken ein und ohne einer solchen äußeren Enthaltsamkeit können wir uns an das komplette und wahrhafte Fasten nicht halten; aber die Regeln, die sich auf das Essen und Trinken beziehen sollten nie als das eigentliche Ziel angesehen werden, da das asketische Fasten immer einen inneren und unsichtbaren Sinn hat.

 

Der Mensch stellt eine Einheit von Körper und Seele dar, und er ist ein lebendiges Wesen, das eine sichtbare und unsichtbare Natur hat – um mit den Worten der Triode zu sprechen. (3) Daher sollte unser asketisches Fasten gleichzeitig sowohl die als auch die andere Natur einschließen. Bestrebungen, die die äußeren Regeln in Bezug auf das Essen besonders betonen, oder gar die gegensätzlichen Bestrebungen, die diese Regeln als veraltet und unnötig herabwürdigen, sind nicht annehmbar und bedeuten den Verrat der wahren Orthodoxie. In beiden Fällen wird das Gleichgewicht zwischen dem äußeren und inneren gestört.

 

Zweifelsohne überwiegt in heutiger Zeit, und besonders im Westen, die zweite Bestrebung. Bis zum 14. Jahrhundert hat sich die Mehrheit der westlichen Christen, gemeinsam mit ihren Brüdern im orthodoxen Osten, während der Fastenzeit nicht nur vom Fleisch enthalten, sondern von allen Nahrungsmitteln tierischer Herkunft, wie Eiern, Milch, Butter usw. Das Fasten bedeutete, im Osten und Westen, eine erhebliche physische Anstrengung. Während der letzten 500 Jahre aber wurden die physischen Anforderungen im westlichen Christentum unaufhörlich verringert, um heute etwas mehr als symbolisch zu sein.

 

Wir fragen uns, wie viele von jenen, die in der „Woche des Käseverzichts“ Palatschinken essen, dies wahrhaft bewusst tun, wohlwissend über den Brauch die Überreste der Eier und Butter zu verbrauchen, ehe die Osterfastenzeit beginnt? Da die orthodoxe Welt dem westlichen Säkularismus ausgesetzt ist, beginnt sie sich auf den gleichen Weg der Schwäche zu begeben.

 

Ein Grund für die Schwächung des Fastens ist sicherlich die häretische Meinung über die menschliche Natur, die falsche „Geistlichkeit“, die den Körper verneint und vernachlässigt, indem sie den Menschen nur als Resultat rationaler Funktionen des Gehirns ansieht. Als Resultat davon, haben viele Christen heute das wahrhafte Bild des Menschen als vollkommene Einheit des sichtbaren und unsichtbaren verloren; dabei vernachlässigen sie die positive Rolle, die der Körper im geistlichen Leben spielt und vergessen die Worte des Hl. Apostel Paulus, der sagt: dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist…Verherrlicht also Gott in eurem Leib (1 Kor 6, 19-20).

 

Der zweite Grund für die Schwächung des Fastens unter den Orthodoxen ist das Argument, das in unserer Zeit häufig verwendet wird, wonach man heutzutage nicht mehr die traditionellen Regeln des Fastens einhalten kann. Diese Regeln, so wird betont, setzen eine eng miteinander verbundene, nichtpluralistische, christliche Gesellschaft voraus, wo ein ruraler Lebensstil vorherrscht, der heute immer mehr zur Vergangenheit wird. Eine gewisse Wahrheit lässt sich hier nicht leugnen. Doch man hier ebenfalls sagen, dass das Fasten, das traditionell in der Kirche gepflegt wird, immer schwer war und eine Anstrengung einschloss.        

 

Viele unserer Mitmenschen möchten aus gesundheitlichen Gründen oder wegen der Schönheit und guten Figur fasten; können wir Christen nicht genau so viel tun – für das Reich Gottes? Warum ist diese Selbstaufopferung, die mit Freude von den früheren Generationen der Christen angenommen wurde, für deren Nachfahren eine so beschwerliche Bürde? Einst hat man den Hl. Seraphim von Sarow gefragt, warum das Wunder der Gnade, das sich so vielfach in der Vergangenheit gezeigt hat, in seiner Zeit nicht mehr erkennbar ist, worauf er antwortete: „Es fehlt nur eine Sache – die feste Entschlossenheit.“ (4)  

 

Das eigentliche Ziel der Fastenzeit ist, uns unserer Abhängigkeit von Gott bewusst zu machen. Wenn wir es ernsthaft anwenden, dann bedeutet die Enthaltsamkeit von Essen während der Fastenzeit – und besonders während der ersten Tage – ein wahrhaftes Gefühl des Hungerns, wie auch ein Gefühl der Ermüdung und physischen Erschöpfung. Der Sinn eines solchen Zustands ist uns zu einem inneren Gefühl der Schwäche und Reue zu bringen, um uns zum Momentum zu bringen, wo wir gänzlich die Kraft der Worte Christi verstehen können: „…denn getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen.“ (Joh 15, 5).

 

Wenn wir Essen und Trinken immer so viel zu uns nehmen wie wir wollen, dann werden wir ein Übermaß an Vertrauen in unsere eigenen Fähigkeiten erlangen und ein falsches Gefühl der Selbstständigkeit und Selbstversorgung bekommen.

 

Das Einhalten des körperlichen Fastens untergräbt dieses falsche Gefühl der Zufriedenheit mit sich selbst. Das Fasten entledigt uns des Selbstbewusstseins jenes Pharisäers, der zwar gefastet hat, aber nicht es sein sollte.

 

Die Enthaltsamkeit während der Fastenzeit schafft in uns das heilsbringende Gefühl der Unzufriedenheit mit uns selbst, ähnlich wie es der Zöllner hatte (siehe Lk 18, 10-13).

 

Das ist die Rolle des Hungerns und der Erschöpfung: sie sollen uns „arm im Geiste“ machen, und das Gefühl unserer Hilflosigkeit und Abhängigkeit von Gott fördern.

 

3. Abendgottesdienst am Totengedenken
4. В. V. Lossky, The Mystical Theology of the Eastern Church (London, 1957), p. 216

 

Bischof Kallistos Ware, Metropolit von Diokleia und Professor für orthodoxe Studien an der Oxford University, sowie Autor zahlreicher Bücher über die orthodoxe Kirche.

Fortsetzung folgt…


(Quelle: www.svetosavlje.org – Übersetzung Mag. Mirko Kolundzic)

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